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03.08.2013 Die Fahrertür rammen - das ist tabu!

Heute und morgen Autocross auf dem Extertalring: Auch Frauen stürzen sich in Staub und Schlamm

Schaumburger Zeitung / 3.8.2013

Extertal

Hans Weimann
Als Fahrer erstickt man halb im Staub oder wird – wahlweise – mit Schlamm und Erdklumpen beworfen, weil das Auto keine Frontscheibe, sondern nur ein Maschendrahtgitter hat. Die Chance, mit dem Auto ohne Schrammen aus einem Rennen zu kommen ist gleich null. Kofferraumdeckel abgerissen? Stoßstange weg? Kotflügel verbeult? Kleinigkeiten. Über so was regt sich niemand auf. Das wird einfach provisorisch repariert. Eine Karosserie auch schon mal zwischen zwei Treckern wieder gerade gezogen.

Die Rede ist von Autocross und der findet an diesem Wochenende zum zweiten Mal in diesem Jahr auf dem Extertalring bei Bösingfeld statt – die ersten Rennen waren im Mai.

Veranstaltet wird das Spektakel vom MSC Extertal. Es ist ein Spaß für Junioren wie Senioren. Dabei sind diesmal rund 160 Crossfahrer, der jüngste ist 14, Willi Kohlrausch aus Hannover ist über 70 Jahre alt, fast 80 eine VW-Scirocco-Fahrerin aus Kassel, die liebevoll „Cross-Oma“ genannt wird. Auch Fahrer aus Rinteln und dem Auetal sind am Start, am bekanntesten in der Szene ist Andreas Lange.

Was macht eigentlich Spaß daran, auf einer 600-Meter-Rüttelpiste um die Wette zu fahren, wo man sich einen Kaugummi zwischen die Zähne schieben muss, um das Gebiss ruhig zu halten? MSC Pressesprecherin Anna Lena Rehme hat das einmal humorvoll so formuliert: „Wir machen das, was uns unsere Eltern als Kinder immer verboten haben, nämlich im Schlamm zu spielen“.

Die Herausforderung für Crosspiloten sei, schildert Jens Lämmcken, gelernter Kfz-Mechaniker, der die Kasse des Vereins managt, die Strecke ist bei jedem Start anders: Da bilden sich Rinnen in der Fahrbahn, sind Hügel in den Kurven hochgeschoben. Ist der Wasserwagen darüber gefahren, damit es nicht so staubt, fährt man wie auf Schmierseife.

Und für die Zuschauer? „Die sind nah dran“, sagt Vorsitzender Heiko Grabowski „und sehen auf dem rutschigen losen Untergrund spektakuläre Powerslides“.

Dazu kommt: Bei dem Gedränge in den Kurven lässt sich Blechkontakt gar nicht vermeiden. In den sechs Runden ist keine Zeit, groß zu taktieren, hier gilt vom Start an volles Risiko.

Verboten sei es allerdings, anders als bei Stockcarrennen, bei Crashrennen, einen Konkurrenten mit einem Fahrmanöver gezielt von der Piste zu katapultieren. „Da passen die Sportkommissare an der Strecke schon auf“. „Und ein absolutes Tabu ist“, betont Lämmcken, „einem Konkurrenten vorsätzlich in die Fahrertür zu fahren. Wer das macht, ist sofort draußen“. Aber es sei nicht so, dass man am Ende der Rennen gleich mit seinem Wagen am nächsten Schrottplatz vorbeifahren müsse. „Aber klar ist auch, wer mit einem neuen Fahrzeug kommt, hat am Ende der ersten Runde kein neues Fahrzeug mehr“.

So vermeldet Juniorfahrerin Denise Lämmcken, 17, dann auch stolz auf ihrer Homepage, sie sei mit einem heilen Daihatsu Charade durch die letzte Saison gekommen. Überhaupt sind es ganze Familien, die sich im Autocross engagieren. Jeder kennt hier jeden. Denise Lämmcken sagt, „wir wurden schon als Kinder zu jeder Crossveranstaltung mitgenommen“.

Den MSC gibt es seit über 50 Jahren. Da der Extertalring eine regelrechte Sportstätte ist, geht es hier professioneller zu, als bei Rennen auf einem Acker. Hier gibt es solide Leitplanken, Netze, die vor Zuschauern den Dreck abfangen und eine Ampelanlage am Start. Auf der 600 Meter langen Strecke mit den vier Kurven sind ganz unterschiedliche Fahrzeuge unterwegs: Serientourenwagen, Supertourenwagen, die getunt werden dürfen.

Hier gilt: Was nicht gebraucht wird, fliegt raus und das sind logischerweise auch alle Sitze bis auf den Fahrersitz. Dann gibt es als Sonderklasse Spezialfahrzeuge wie Cross-Buggys.

Sicherheitskäfige schützen die Fahrer, die Rennanzug und Helm tragen mit einem speziellen Roll-Off-Visier. Das ist eine bewegliche Folie, die man weiterdrehen kann, wenn das Visier mit Schlamm bespritzt worden ist. Trotzdem ist Autocross noch eine vergleichsweise preiswerte Variante des lizenzierten Motorsports.

Autocross oder Rallyecross ist übrigens in England erfunden wurden, die Briten sind ja bekanntermaßen Spezialisten für die verrücktesten Sportarten. Begonnen hat es mit Stoppelfeldrennen. Inzwischen gibt es längst internationale Rennen und eine Europameisterschaft. Worauf man im Extertal stolz ist.

Der MSC Extertal ist gut vernetzt in der Rennszene. So kommen am Wochenende Fahrer aus ganz Deutschland und viele Helfer aus anderen Clubs. 90 Leute brauchen wir, sagt Heiko Grabowski, um die zwei Renntage zu organisieren. Dazu gehören auch Treckerfahrer, die liegen gebliebene Fahrzeuge von der Piste schleppen.

Termin:
Heute, Samstag, beginnt das Training um 9 Uhr, danach finden die Cupläufe und am Nachmittag das Langstreckenrennen über eine Stunde statt. Erfahrungsgemäß sieht hier nur etwa die Hälfte der Fahrer die Zielflagge. Um 20 Uhr gibt es eine „After-Race-Party“ im Zelt. Am Sonntag beginnen die Wertungsläufe um Meisterschaftspunkte ab 9 Uhr. Ab Bösingfeld ist die Straße zur Burg Sternberg zwar gesperrt, aber bis zur Rennstrecke frei, die auch ausgeschildert ist.

Foto: tol
Autocross macht auch Frauen Spaß. Es gibt sogar einen eigenen Ladys-Cup. Dabei ist auch Denise Lämmcken, 17 Jahre alt, hier in Sicherheitsanzug und mit dem Spezialhelm der Crossfahrer vor ihrer „Rennkröte“, einem Daihatsu Charade.