. .

SFG auch auf Facebook

Link zu unserer Seite auf Facebook

 Unser Unterstützer:

Logo

Link zur Internetseite der Depping Unternehmensgruppe

08.07.2011 Das geile Gefühl, wenn das Heck wegrutscht

Jugendkartslalom-Wettbewerb unter erschwerten Bedingungen / Es fehlt der Nachwuchs

Schaumburger Zeitung / 8.7.2011

Obernkirchen

Von Michael Werk
Till-David Kampmeier ist sauer: „Das Wetter ist voll blöd“, schimpft der neunjährige Rintelner. „Wäre ich nicht gerutscht, wäre ich wohl aufs Treppchen gekommen.“ So aber habe es „nur“ für den fünften Platz in seiner Altersklasse gereicht. Als einer von rund 110 gemeldeten Teilnehmern des „11. MC Schaumburg ADAC-Jugendkartslaloms“ hatte auch er mit erschwerten Bedingungen auf dem zur Rennstrecke umfunktionierten Betriebsgelände des Obernkirchener Unternehmens Mlodzian zu kämpfen. Nicht nur, dass der immer wieder einsetzende Regen den Grip der aufgezogenen Pneus herabsetzt, die auf den Visieren der Schutzhelme anhaftenden Regentropfen beeinträchtigen auch die Sicht auf den zu meisternden Slalomparcours. „Der sieht zwar leicht aus, ist bei so einem Wetter aber schwierig zu fahren“, erklärt er. Und dass, obwohl auf den vom ausrichtenden Motor-Club Schaumburg-Obernkirchen für den Wettkampf zur Verfügung gestellten Karts ohnehin schon Regenreifen aufgezogen sind.

„Wenn man zu viel Gas gibt, rutscht das Heck weg“, konkretisiert der achtjährige Mika Heine aus Luthe. Das sei an sich zwar „ein geiles Gefühl“, bei so einem Wettbewerb verliere man dadurch aber wertvolle Zeit. Damit dies nicht passiert, müsse man in den Kurven also das Gas wegnehmen.

Und Kurven, die gibt es beim Jugendkartslalom mehr als genug. Als Außenstehender muss man sich sogar wundern, dass sich die jungen Kartpiloten den in Form von Toren, Dreiergassen, Kreisen und „Brezeln“ abgesteckten Kurs in kurzer Zeit einprägen können. Denn vor jedem Rennen haben sie nur einmal Gelegenheit, den zu fahrenden Parcours zusammen mit der Rennleitung abzuschreiten. Danach muss die Strecke sitzen, auch wenn die Nerven vor lauter Aufregung blank liegen sollten.

Wobei mitunter fraglich ist, wer aufgeregter ist: die jungen Leute in ihren bunten Rennoverals oder deren mitgereiste Eltern. Jedenfalls ist es ganz unterhaltsam, am Rand der Strecke zu beobachten, was sich in den Gesichtern mancher dort stehender Eltern abspielt, während ihre Sprösslinge gerade mit bis zu 60 Stundenkilometern über den Slalomparcours brettern, mit den in den Kurven auftretenden Fliehkräften kämpfen, driften und bisweilen auch den einen oder anderen Pylonen umnageln. Auch deren Gestik verrät dann einiges über deren momentane Gemütslage. Demgegenüber wirken viele andere Eltern völlig gelassen, etwa wenn sie ihren Kindern den Sitz des Karts passend zur Körpergröße einrichten, das Schutzhelmvisier säubern und ihnen in den letzten Sekunden vor dem Start noch einige Ratschläge mit auf den Weg geben. Vermutlich Folge langjähriger Routine, denn ohne Eltern geht nicht viel in Sachen Jugendkartslalom.

Im vergangenen Jahr habe er seine beiden Kinder – ein Junge und ein Mädchen – zusammen mit seiner Ehefrau zu insgesamt 56 Rennen in ganz Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gefahren, berichtet Torsten Kobbe aus Wolfenbüttel. In der Zeit von April bis Oktober seien sie praktisch jedes Wochenende unterwegs gewesen. Ein Freizeitvergnügen, das sich auch finanziell bemerkbar macht. Allein die Fahrtkosten, die für die Teilnahme an den Wettbewerben anfallenden Nenngebühren und die gegebenenfalls erforderlichen Hotelübernachtungen summieren sich bei Kobbes pro Jahr auf „locker“ bis zu 3000 Euro.

Eine Investition, die dem Familienvater aber auch aus einem anderen Grund sinnvoll erscheint: Im Gespräch mit einem Polizeibeamten habe er bereits vor längerer Zeit erfahren, dass sich Kinder und Jugendliche, die Kart fahren und die damit verbundenen „Grenzbereiche“ erleben, später viel sicherer mit dem Auto im Straßenverkehr bewegen und weniger Unfälle verursachen als jene, denen diese Vorerfahrungen fehlen, sagt Torsten Kobbe.

„Jugendkartslalom ist mehr oder weniger die billigste Art, Motorsport zu betreiben“, sagt Friedrich-Wilhelm Hein, der Leiter des aktuellen Wettbewerbs und Jugendwart beim ausrichtenden Motor-Club Schaumburg-Obernkirchen. Ein vernünftiges neues Kart kostet zwar ab 3000 Euro, da der Verein aber über entsprechende Fahrzeuge verfügt, müssen Eltern solch eine Investition nicht tätigen. Bleiben also lediglich die Anschaffung einer persönlichen Schutzausrüstung samt Helm und der zu entrichtende jährliche Mitgliedsbeitrag, der sich beim Motor-Club Schaumburg-Obernkirchen auf 40 Euro summiert, wenn eines der vereinseigenen Karts genutzt wird (sonst 15 Euro).

Trotzdem plagen den Verein laut Hein seit einigen Jahren Nachwuchssorgen: Habe man früher noch um die 15 Kinder und Jugendliche gehabt, seien es heute nur noch fünf bis sechs Aktive in der Jugendabteilung. Ursächlich für diese Entwicklung macht er zum einen die steigenden Lebenshaltungskosten und sinkenden Haushaltseinkommen, durch die bei vielen Familien selbst solche geringen Geldbeträge knapp werden. Außerdem beobachtet er eine rückläufige Bereitschaft vieler Eltern, ihre Kinder zu den Wettkämpfen zu fahren und sonstige Mühen auf sich zu nehmen, um ihnen den Kartsport zu ermöglichen.