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18.06.2011 "Klar habe ich Angst - um mein Auto"

Heute und morgen fliegt wieder der Dreck - beim Autocross-Rennen des Motorsportclubs Extertal. Ganze Familienclans nehmen daran teil, unter anderem Denise und Jan Malte, beide 15. Sie sind zwei von 16 jugendlichen Fahrern, die sich unter den insgesamt 180

Schaumburger Zeitung / 18.6.2011

Extertalring

Von Cornelia Kurth
Immer ist es eine riesengroße Party mit Grillen, Zelten, Lagerfeuer und Musik, wenn der Motorsportclub Extertal (MSC) sein jährliches Autocross-Rennen mitten auf der grünen Wiese veranstaltet. Wo es am Rande von Bösingfeld sonst still und idyllisch zugeht, sammeln sich dann auf einem Wiesengelände ganze Familienclans von Rennfahrern aus Deutschland und den Niederlanden, dazu 1000 Zuschauer und natürlich die verrückten Rennwagen, umgebaute Straßenautos und selbst entwickelte „Buggys“, die fast nur aus Fahrersitz und Motor bestehen.

Es wird hart gekämpft auf dem „Extertalring“ und natürlich gibt es Zusammenstöße, manchmal auch Überschläge. Angst? „Klar habe ich Angst“, sagt der 15-jährige Fahrer Jan Malte Opitz. „Um mein Auto! Ich will nicht, dass ihm was passiert!“

Im letzten Jahr fuhr Jan Malte noch einen orange-schwarzen umgebauten Polo, der in den Augen eines Ahnungslosen ein besonders schäbiges Schrottauto gewesen wäre, mit Beulen und Scharten, anstelle der Fensterscheiben ein Drahtgeflecht, durch das der Dreck ungehindert hineinfliegen kann, und innen nur ein einziger Sitz, ein Sicherheitssitz allerdings, versehen mit einem Sechs-Punkt-Sicherheitsgurt. Schon auf diesen Wagen war er so stolz – viele Jugendliche können sich kein eigenes Auto leisten und teilen sich eines mit ihren Kollegen. Jetzt aber hat ihm sein Vater Michael Opitz, selbst Spitzenfahrer und Mitorganisator der Rennen, einen alten Opel Tigra spendiert, lackiert in der original grau-gelben Werkslackierung der traditionellen Opel-Rennwagen.

Solche Autos kann man nicht kaufen, sie entstehen mit viel Fleiß und Liebe in der eigenen Garage. Aller überflüssige Luxus wird rausgeschmissen, dafür bekommen sie ein neues Lenkrad, Überrollbügel, damit dem Fahrer drinnen auch im Ernstfall nichts passieren kann, und ein verstärktes Fahrwerk. Der Jugendliche liebt seinen Wagen, mit dem er schon manches Rennen recht erfolgreich fuhr. 1500 Euro an Material und viele Arbeitsstunden stecken darin.

„Nie im Leben würde ich damit Crashrennen fahren“, sagt er. „Die Zuschauer, ja, die warten natürlich darauf, das was Spektakuläres passiert. Aber mein Auto soll möglichst unbeschadet über die Runden kommen.“

16 ganz junge Fahrer sind unter den insgesamt über 180 diesjährigen Teilnehmern am Autocross-Rennen. Im Straßenverkehr dürften sie längst noch nicht unterwegs sein, auch wenn sie alle einen Jugendlehrgang absolvierten, und eigentlich ist es eh wie ein Wunder, dass sie sich auf den 700 Meter langen Extertalring mit seinen vielen Kurven wagen. Echte Fahrpraxis bekommen sie eigentlich nur während der Rennen selbst, in den Trainingszeiten vor dem Start.

„Och, von außen sieht das alles so besonders aus“, meint Denise Lämmcken, ebenfalls gerade 15 Jahre alt. „Aber wir gehören eben in Rennfahr-Familien. Ich bin auf den Crossplätzen Deutschlands aufgewachsen. Wie fahren nie in den Urlaub, wir wurden schon als Kinder immer zum Autocross mitgeschleppt.“

Das hört ihr Vater Jens Lämmcken, der gleich protestiert. „Nie in den Urlaub? Das ist der reine Urlaub!“ sagt er. Der gelernte Kfz-Meister fährt zwar nicht selbst, aber er ist aus der Szene des MFC nicht wegzudenken. Unter seinen Händen entstehen die meisten Wagen der Clubmitglieder, darunter auch der wertvolle „Buggy“ seines Freundes Michael Opitz, dieses eigenartige Gefährt, das mit seinem oval über dem Fahrersitz zusammenlaufenden Gestänge fast – Verzeihung – an eine entartete Isetta erinnert. Bis zu 25000 Euro kostet so ein Wagen, der dafür auch die Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde erreicht, selbst auf den nicht selten matschigen und mit tiefen Furchen versehenen Autocross-Rennstrecken.

Überhaupt würde ein Club wie der MSC-Extertal nicht existieren können, wenn die eigentlichen Fahrer ohne ihr Familien- und Freundesteam auskommen müssten. In den Wochen vor dem großen Ereignis wird der Rasen gemäht, überall verlegt man Stromkabel, Parkplätze werden abgesteckt, schwere Bagger bereiten die kurvige Bahn vor und dann ist da auch noch die ganze Bürokratie rund um die Startpläne. Wenn auf der Wiese das Festzelt und die Buden aufgebaut sind, steht da auch ein alter Reisebus, das geheime Herz des Platzes. Hier holt sich jeder seine Startnummer, werden die Zeiten eingetragen und genau registriert, wer seine Teilnahmegebühr bereits gezahlt hat.

Viele Frauen sind unter den Helfern. „Na klar“, sagt lächelnd Corinna Lämmcken, die Mutter von Denise. „Mitgefangen, mitgehangen.“

In diesem Jahr feiert der MSC sein 50-jähriges Bestehen. Auf den Tag genau vor 50 Jahren schlossen sich damals ein Dutzend Motorradfahrer zusammen, die damit auch um allgemeines Verständnis für ihren Sport werben wollten. Sie fuhren Grasbahnrennen und veranstalteten wilde Motorrad-Fußballspiele, organisierten überregionale Rennen und machten sich ihrerseits auf zu Rennveranstaltungen in näherer und weiterer Umgebung. Zehn Jahre später war der Club auf etwa 60 Mitglieder angewachsen, die nicht mehr auf zwei, sondern auf vier Rädern um die Wette rasten. Als ihnen dann noch die große Wiese an der Trotzenburg zur Verfügung gestellt wurde, war die Zeit der bloßen Ackerrennen im Extertal vorbei. Der inzwischen weitläufig ausgebaute und gut gesicherte „Extertalring“ kann sich wirklich sehen lassen. „Wir sind Formel 1 auf der Wiese!“ so Michael Opitz. Es klingt richtig stolz.

Tatsache ist: Der MSC hat eine lange Liste von ausgezeichneten Fahrern aufzuweisen. Opitz selbst, der Weserbergland-Autocross-Meister ist; dazu Fahrer wie der dreimalige Norddeutsche Meister Carsten Grabowski; Horst Uhlenbrock, der zweimal Europameister wurde, oder auch der Meister des Internationalen Deutschlandcups Marcel Aldag, 26 Jahre alt, der nach zweijähriger Pause mit einem neuen Wagen zusammen mit seinem Kollegen Marian Kuhfuß am Wochenende im Extertal antreten wird.

„Man kommt einfach nicht davon weg“, meint er. „Es sind nicht nur die Rennen selbst, es ist die ganze familiäre Atmosphäre, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, was die meisten einfach nicht mehr vermissen wollen.“

Marcel Aldag ist schon mit 14 Jahren Rennen gefahren. „Als Erwachsener ist es doch noch etwas anderes“, sagt er. „Da greift einem niemand mehr unter die Arme, um das Auto zu reparieren, wenn man ,mit der Brechstange‘ gefahren ist. Die Autos werden ja auch immer teurer und dementsprechend auch die Reparatur. Ich fahre mit Köpfchen. Damit kann man auch gegen vielleicht bessere Motoren der Gegner punkten.“

Sein Freund Marian Kuhfuß nickt: „Leider spielt Geld doch eine ziemlich große Rolle. Je besser der Wagen, desto größer die Chancen zu gewinnen. So ist es nun mal beim Autorennen.“

Überhaupt das Geld. Die erwachsenen Fahrer zahlen 40 Euro Startgeld, die Jugendlichen 20 Euro. Wer gewinnt, erhält zwischen 100 und 200 Euro. Weit kommt man mit so einem Preisgeld nicht, aber mehr ist einfach nicht drin. Verzehr und der Eintritt von 11 Euro für das gesamte Wochenende, sie bringen gerade mal die Kosten wieder rein.

Manchmal ist es auch schon richtig hart gekommen. Vor fünf Jahren regnete es so ungeheuerlich, dass der Extertalring zu einem einzigen Schlammloch wurde. Nichts, gar nichts mehr ging in Wassermassen, Matsch und aufgewühlter Erde. Der Sonntag mit den Finalrennen musste abgesagt werden, alle Arbeit, alle Vorfreude war umsonst gewesen. Der Verein geriet ins Minus und die Stimmung war auf dem Nullpunkt.

„Hm, na ja, ach was“, sagt Michael Opitz, als sich alle an dieses Schreckensjahr erinnern. Als alter Rennhase ist er auf unerschütterlichen Optimismus eingestellt. „Denkt doch nur dran, wie toll das Wetter im Jahr darauf war und so viele Leute kamen wie niemals zuvor. Alles gleicht sich immer irgendwie aus.“

Jan Maltes Opel Tigra besitzt im Moment wider alle Norm zwei Sitze. Auf dem Beifahrersitz darf am Sonntag der glückliche Gewinner einer Auktion sitzen, bei der fünf Runden rasende Fahrt auf dem Extertalring für einen guten Zweck versteigert werden, eine einmalige Gelegenheit für Außenstehende, am eigenen Leib zu spüren, was es bedeutet, sich in Fahrtwind und Staubwolken in die Kurven zu legen.

Wenn der junge Fahrer dann aber selbst antritt, wird der zweite Sitz natürlich ausgebaut. Der Wagen soll so leicht wie möglich sein – und Jan Malte ist ehrgeizig. „Wenn mir nicht wieder irgendwer in die Seite fährt, bin ich hoffentlich unter den Ersten dabei!“

"4"Zeiten: Am heutigen Samstag beginnt das Trainingsfahren um 11 Uhr, ab 14.30 Uhr beginnen die Rennen. Abends ist Disco mit Livemusik angesagt. Am Sonntag, 19. Juni, ist dann der Tag des 50-jährigen Bestehens. Die ersten Wertungsläufe starten ab 10 Uhr, die Finalläufe gegen 16 Uhr.

Heute und morgen fliegt wieder der Dreck – beim Autocross-Rennen des Motorsportclubs Extertal. Ganze Familienclans nehmen daran teil, unter anderem Denise und Jan Malte, beide 15. Sie sind zwei von 16 jugendlichen Fahrern, die sich unter den insgesamt 180 Teilnehmern auf dem Extertalring behaupten wollen.

Sind mit dem Motorsport aufgewachsen – und wollen an diesem Wochenende ganz vorne mitfahren: die 15-Jährigen Denise Lämmcken und Jan Malte Opitz.

Fotos tol/cok:
Meine Damen und Herren es wird dreckig: Auf dem "Extertalring" geht es einmal im Jahr beim Autorennen des Motorsportclubs Extertal richtig zur Sache. Mit dabei sind nicht nur Erwachsene, sondern auch Jugendliche, die außerhalb der Rennstrecke noch gar nicht Auto fahren dürften.